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Über kaum ein Ausrüstungsteil wird so wenig diskutiert und so viel falsch gemacht wie über den Reithelm. Er wird oft nach Optik gekauft, zu groß gewählt „damit er noch eine Weile passt“ oder nach einem Sturz einfach weitergetragen. Dabei entscheidet beim Reiten genau dieses eine Teil darüber, wie glimpflich ein Sturz ausgeht. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Normen heute zählen, wie ein Helm richtig sitzt und welche Modelle sich für Einsteiger, Vielreiter und Kinder bewährt haben.
Warum ein Reithelm Pflicht sein sollte
Ein Sturz vom Pferd passiert aus einer Höhe von gut zwei Metern – oft bei Tempo und meist völlig unerwartet. Kopfverletzungen gehören zu den häufigsten schweren Verletzungen im Reitsport. In Reitschulen und auf Turnieren nach der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) ist der Helm deshalb längst Pflicht, und auch beim Ausreiten oder bei der Bodenarbeit mit jungen Pferden solltest du nicht darauf verzichten.
Wer auf ein Pferd steigt, trägt einen Helm – auch für „nur eine Runde Schritt“. Die meisten Unfälle passieren nicht beim Springen, sondern im Alltag.
Welche Normen gelten für Reithelme?
Bei Reithelmen begegnen dir mehrere Kennzeichnungen. Diese solltest du kennen:
- EN 1384:2023 – die aktuelle europäische Norm für Reithelme. Sie hat die ältere Fassung abgelöst und prüft unter anderem Stoßdämpfung, Durchdringungsfestigkeit und das Kinnriemensystem.
- VG1 01.040 2014-12 – eine europäische Übergangsspezifikation, nach der viele Helme der letzten Jahre geprüft wurden. Helme mit dieser Kennzeichnung findest du noch häufig im Handel.
- PAS 015 und ASTM F1163 – britische bzw. amerikanische Prüfnormen, die teils strengere Tests vorsehen und im internationalen Sport verbreitet sind.
Für Freizeit und Reitunterricht ist ein Helm nach EN 1384:2023 oder VG1 eine sichere Wahl. Wenn du Turniere reitest, wirf vorab einen Blick in die aktuell gültige LPO bzw. die Ausschreibung – dort ist festgelegt, welche Normen zugelassen sind.
Sehr günstige „Reithelme“ aus Marktplätzen tragen manchmal nur Fantasie-Labels. Achte auf die Normangabe im Helm und in der Produktbeschreibung. Ohne nachvollziehbare Prüfung: Finger weg.
So sitzt der Helm richtig
Ein guter Helm nützt nur, wenn er passt. Und Passform ist mehr als die richtige Größe – Kopfformen sind unterschiedlich, manche Marken fallen eher rund, andere eher oval aus.
- Kopfumfang messen: Lege ein Maßband etwa zwei Zentimeter über den Augenbrauen und über die breiteste Stelle des Hinterkopfs. Miss lieber zweimal.
- Größe wählen: Liegt dein Wert zwischen zwei Größen, probiere beide. Ein Helm, der schon ohne Verschluss leicht saugt, sitzt meist richtig.
- Wackeltest: Setze den Helm auf, ohne den Kinnriemen zu schließen, und schüttle sanft den Kopf. Der Helm sollte kaum verrutschen und die Kopfhaut sollte sich mitbewegen.
- Position prüfen: Der Helm sitzt waagerecht, etwa eine Fingerbreite über den Augenbrauen – nicht in den Nacken geschoben.
- Kinnriemen einstellen: Zwischen Riemen und Kinn passt etwa ein Finger. Die seitlichen Riemen treffen sich unterhalb des Ohrläppchens.
Viele Helme lassen sich über ein Drehrad am Hinterkopf feinjustieren. Das ersetzt aber nicht die passende Grundgröße – ein zu großer Helm wird durch ein zugedrehtes Rädchen nicht sicher.
Inmould, Schale oder Samt?
Bei der Bauweise gibt es drei grobe Typen:
| Bauweise | Typisch für | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Inmould (Schale fest mit dem Schaum verbunden) | moderne Allround-Helme | leicht, gut belüftet | Oberfläche empfindlicher gegen Kratzer |
| Hartschale mit EPS-Innenschale | Einsteiger- und Kinderhelme | robust, günstig | etwas schwerer |
| Samt- oder Mikrofaserbezug | Dressur, Turnier | klassische Optik | weniger Belüftung, Bezug pflegeintensiv |
Für die meisten Reiterinnen und Reiter ist ein leichter, gut belüfteter Allround-Helm die beste Wahl, weil er im Alltag am ehesten auch wirklich getragen wird.
Empfehlenswerte Reithelme für Erwachsene
Reithelm Exxential III
Leichter Inmould-Helm mit tief gezogenem Heck, guter Belüftung und Ponytail-Ausschnitt – ein ausgewogener Allrounder.
- leicht
- Zopf passt gut darunter
- gute Belüftung
- matte Oberfläche zeigt Kratzer
Der uvex Exxential III ist für viele der ideale Kompromiss aus Gewicht, Belüftung und Preis. Das tiefer gezogene Heck schützt den Hinterkopf, und durch den Ausschnitt für den Pferdeschwanz drückt kein Zopf.
Reithelm Mistrall-2
Beliebter Allround-Helm mit 4-Punkt-Beriemung und großzügiger Belüftung – sitzt bei vielen Kopfformen gut.
- 4-Punkt-Beriemung
- breites Größenangebot
- Modelle mit Glitzer kosten Aufpreis
Der Casco Mistrall-2 gehört seit Jahren zu den meistgesehenen Helmen in deutschen Reitställen. Seine Vier-Punkt-Beriemung sorgt für einen stabilen Sitz, und die Belüftung ist auch im Sommer angenehm.
Reithelm perfexxion II
Gehobenes Modell mit 3D-Größenanpassung inklusive Höhenverstellung und Einhandverschluss – für alle, die viel reiten und Feinjustage schätzen.
- sehr fein einstellbar
- Einhandverschluss
- hoher Preis
Wer täglich reitet und Wert auf Feinjustage legt, findet im perfexxion II einen sehr komfortablen Helm. Die Größenanpassung inklusive Höhenverstellung hilft vor allem bei Kopfformen, die zwischen zwei Größen liegen.
Eine leichte Alternative ist der Casco Duell One*, der in Größe M rund 450 Gramm wiegt – angenehm bei langen Ausritten.
Reithelme für Kinder
Kinderköpfe wachsen – trotzdem gilt: Der Helm muss jetzt passen. Mitwachsende Modelle mit großem Verstellbereich sind deshalb ideal.
Kinder-Reithelm kidoxx
Mitwachsender Kinderhelm (ca. 49–54 cm) mit Inmould-Technik und Einhandverschluss – auch für Brillenträger angenehm.
- stufenlos mitwachsend
- leicht
Reithelm ProtectionX
Günstiger, verstellbarer Helm nach EN 1384:2023 – eine solide Wahl für Kinder in der Probierphase.
- aktuelle Norm
- waschbares Futter
- schwerer als Inmould-Helme
Der Pfiff ProtectionX ist eine solide und günstige Lösung für Kinder, die das Reiten gerade erst ausprobieren. Bleibt das Kind dabei, lohnt später der Umstieg auf einen leichteren Inmould-Helm.
Kinder tragen einen Helm lieber, wenn sie ihn mit aussuchen durften. Farbe und Design dürfen also ruhig mitentscheiden – solange Norm und Passform stimmen.
Wann muss ein Reithelm ersetzt werden?
- Nach jedem Sturz mit Aufprall auf den Kopf – auch wenn von außen nichts zu sehen ist. Der Schaum im Inneren kann komprimiert sein und schützt dann nicht mehr ausreichend.
- Nach etwa fünf Jahren, selbst ohne Sturz: Materialien altern durch UV-Licht, Schweiß und Temperaturschwankungen. Viele Hersteller empfehlen einen Austausch in diesem Zeitraum.
- Wenn er nicht mehr passt – etwa nach einer neuen Frisur, bei Kindern nach einem Wachstumsschub.
Gebrauchte Helme unbekannter Herkunft solltest du nicht kaufen. Du kannst nicht wissen, ob sie bereits einen Sturz hinter sich haben.
Pflege: So hält dein Helm länger
Lass den Helm nach dem Reiten offen trocknen und lagere ihn nicht im heißen Auto oder in praller Sonne. Herausnehmbare Polster kannst du meist per Hand oder bei 30 °C waschen. Die Schale reinigst du mit einem feuchten Tuch – Lösungsmittel, Aufkleber und Farbe greifen das Material an.
Häufige Fragen zum Reithelm
Wie viel sollte ein guter Reithelm kosten?
Ein geprüfter Helm ist ab etwa 40 Euro erhältlich. Leichte Allround-Helme mit guter Belüftung liegen meist zwischen 90 und 150 Euro. Der Preis sagt aber wenig über die Sicherheit aus – entscheidend sind Norm und Passform.
Darf ich einen Fahrradhelm zum Reiten tragen?
Nein. Fahrradhelme sind für andere Sturzszenarien geprüft, schützen den Hinterkopf weniger und haben kein für den Reitsport geprüftes Riemensystem.
Kann ich einen Reithelm online kaufen?
Ja, wenn du deinen Kopfumfang kennst und Rückgabe möglich ist. Bestell im Zweifel zwei Größen und schick die schlechter sitzende zurück. Bei sehr ungewöhnlichen Kopfformen lohnt die Anprobe im Fachhandel.
Wie oft muss ich einen Kinderhelm wechseln?
Sobald er nicht mehr richtig sitzt oder nach einem Sturz. Mitwachsende Helme decken oft mehrere Jahre ab – prüfe die Passform aber vor jeder Saison.
Kauf den Helm, der dir richtig passt und den du gern trägst. Achte auf EN 1384:2023 oder VG1, ersetze ihn nach jedem Sturz und spätestens nach etwa fünf Jahren. Für Erwachsene sind der uvex Exxential III und der Casco Mistrall-2 bewährte Allrounder, für Kinder ist der mitwachsende uvex kidoxx eine sehr gute Wahl.
Titelbild: Foto: Edo de Roo, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (zugeschnitten)









